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Fotos und Bericht von den Römern!

07.11.2013

„Was würde passieren, wenn ein Sklave sich für den Militärdienst melden würde?“, fragt Legionär Lucianus in die Menge der jungen und aufmerksamen Gesichter. „Ja genau, er würde hingerichtet werden.“ So klang der Römertag am vergangenen Mittwoch in der Eutiner Johann-Heinrich-Voß Schule. Bereits zum zweiten Mal besuchten zwei Legionäre das Gymnasium.

Bereits zum zweiten Mal besuchten zwei Legionäre das Gymnasium.  „Geschichtsunterricht so, wie wir ihn uns gewünscht hätten“, das ist der zentrale Leitspruch, unter dem die beiden römischen Soldaten Lucianus Fabius Bibulus und Gnaeus Tullius Cato von der „Legio XXI Rapax“ von Schule zu Schule ziehen. In originalgetreuer Legionärsmontur berichteten sie Latein-Schülern von der sechsten bis zur neunten Klassenstufe von dem Leben im Römischen Reich.

Der Schwerpunkt lag jedoch auf dem Militärwesen. So wurde die Frage gestellt, wer sich als Legionär melden wolle. Die Quintanerin Mania musste erfahren, dass Frauen „nicht einmal in der Legionsküche“ dienen durften. Der nächste Anwärter war Carl (12). Offizier Lucianus Fabius machte für Carl eine Ausnahme, da das Eintrittsalter in die römische Armee eigentlich bei 16 Jahren lag. Dann jedoch kam die Frage nach einem Empfehlungsschreiben.Als „edle und angesehene Dame der römisches Bürgerschaft“ bürgte Lateinlehrerin Maren Himmerkus für ihren Schüler. „Wer den ehrenvollen römischen Militärdienst verrichten wollte, brauchte meistens eine Empfehlung“, erläutert Unteroffizier Gnaeus Tullius, „Die Ehre war in den Legionen sehr wichtig. So hatte zum Beispiel ein freigelassener Sklave nicht das Recht, in die reguläre Truppe einzutreten. Dafür konnte er allerdings in den Hilfstruppen kämpfen und bekam nach 25 Jahren das römische Bürgerrecht zugesprochen.“ Auch durfte der Soldat nicht verheiratet sein, fiel der Legionär im Kampf blieb sein Sold so beim Staat.

Doch interessant war nicht nur der Unterricht, sondern auch der Hintergrund der beiden antiken Soldaten und ihrer Legion. So sind die beiden Geschichtsbegeisterten keinesfalls hauptberuflich unterwegs: Lucianus heißt normalerweise Lukas Czerwinski und arbeitet als Krankenpfleger, Gnaeus alias Walter Dieckmann als Polizist. Ihr großes Interesse für Geschichte brachte sie zueinander und schließlich zu Schulen in ganz Schleswig-Holstein. Sie beide sind Mitglieder der „Legio Rapax“. Die Gruppe hat europaweit beinahe 100 Mitglieder, die größtenteils aus Polen, Österreich, Italien und Deutschland kommen. Ungefähr jedes Vierteljahr ziehen die Gruppenmitglieder für mehrere Tage in ein Camp und leben hier wie vor 2000 Jahren.

Dazu gehört natürlich auch die passende Ausrüstung. Dieckmann erzählt: „Unsere Rüstung, die ´lorica segmentata` ist von einem Plattner (Anm.d.Red.: auf Panzerrüstungen spezialisierter Schmied) unserer Gruppe selbstgeschmiedet. Insgesamt kann die Ausrüstung mal eben 18 Kilogramm wiegen.“ 

Die Begeisterung für den lebendigen Unterricht war allen anzumerken. So waren die Schüler der Obertertia nicht sonderlich begeistert, als sie nach einer Schulstunde den spannenden Exkurs verlassen sollten, um wieder am regulären Unterricht teilzunehmen. Die Schule mache ja tatsächlich Spaß, stellten die jungen Zuhörer fest. In der ersten Pause meinte die Lateinlehrerin Maren Himmerkus begeistert: „Eigentlich habe ich jetzt auch wieder normalen Unterricht, aber ich versuche unbedingt, meine Klasse hierher zu holen.“ Somit dürften die Chancen nicht schlecht stehen, dass es bald zum dritten Mal an der Voß- Schule heißt: „Salve, optio!“, „Sei gegrüßt, Offizier!“

F. Schädlich

Fotos von M. Himmerkus